Wissenschaft und Forschung

Großveranstaltungen

Testlauf für großes Corona-Experiment mit Konzertsimulation

Mit einem Testlauf haben sich Forscher in Leipzig auf ihr großes Corona-Experiment zu Risiken von Großveranstaltungen in Hallen vorbereitet. Ziel ist, Lösungen zu finden, wie diese wieder stattfinden könnten. Es werden noch Teilnehmer gesucht. Auf sie wartet ein Konzert mit Tim Bendzko.
Walter Tigers Tübingen: Zuschauer

Die Zukunft der Kultur- und Sportveranstaltungsbranche und der Fortbestand traditionsreicher, aber von TV-Einnahmen weniger gesegneter Profi-Sportarten, ist schwer. Eine Rückkehr zu großen Konzerten oder Handballspielen in einer Arena scheint wegen des Ansteckungsrisikos mit dem Corona-Virus nahezu ausgeschlossen.

In Hallen-Sportarten wie Handball, Basketball oder Volleyball, für Künstler und Kulturschaffende kann dies das Aus bedeuten. Das Forschungsprojekt RESTART-19 untersucht demnächst die Risiken von Großveranstaltungen in Hallen.

RESTART-19 besteht aus mehreren Teilprojekten wie der Entwicklung eines mathematischen Modells zur Risikoabschätzung und der Festlegung von Rahmenbedingungen für eine Großveranstaltung.

Forscher simulieren Großveranstaltung

Sichtbarster Teil ist jedoch das große Experiment am 22. August 2020 in der Arena Leipzig. „Wir spielen an diesem Tag drei Simulationen durch. Einmal eine Veranstaltungssituation wie vor der Corona-Pandemie, natürlich alles mit dem größtmöglichen Schutz für die Beteiligten. Als zweite eine Simulation mit 4.000 Teilnehmenden, bei der die Ströme gezielt gelenkt werden, und als drittes eine Simulation mit 2.000 Teilnehmenden", erläutert Projektleiter Dr. Stefan Moritz von der Universitätsmedizin Halle (Saale). Und damit es nicht zu trocken wird, unterstützt – neben den DHfK-Handballern aus Leipzig - der Sänger Tim Bendzko das Experiment mit einer Konzertsimulation.

Für alle drei Szenarien gebe es ein umfassendes Hygienekonzept mit Oberflächendesinfektion und FFP2-Masken, so Moritz. Alle Beteiligten werden zudem auf SARS-CoV-2 getestet.

Nun haben Vertreter der Universitätsmedizin Halle (Saale), der Betreibergesellschaft der Quarterback Immobilien Arena Leipzig, des Handball-Bundesligisten SC DHfK Leipzig und weitere Partner einen Techniktest in der Arena Leipzig durchgeführt. „Sinn war es, Abläufe durchzusprechen, mögliche Hindernisse logistischer und organisatorischer Art im Vorfeld zu identifizieren und natürlich auch, die technischen Voraussetzungen und Anforderungen für ein solches Experiment zu definieren", erklärt Restart-19-Studienleiter Dr. Stefan Moritz. Fieber messen, Kontakte simulieren, Flächen in der Arena sichten: In der Arena ist dazu eine hochsensible Technik installiert worden, die die Abstände zwischen den an diesem Test-Tag als Studienteilnehmer fungierenden Handballspielern des Bundesligist DHfK Leipzig gemessen und aufgezeichnet hat. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Stefan Moritz generierten Test-Daten.

Jeder Studienteilnehmer wird am 22. August einen so-genannten „Contact Tracer" erhalten, der die einzelnen Kontakte misst und etwa etwa alle drei Sekunden die Bewegungsdaten eines jeden Einzelnen erfasst.

Bisher haben sich (Stand: 4. August, 11 Uhr) 1528 Menschen registriert. Zielgröße sind, wie bereits genannt, 4.000 Teilnehmende. „Damit hätte das Experiment eine Teilnehmergröße, wie sie auch bei großen Konzerten üblich ist. Rein rechnerisch ist es aber möglich, das Experiment auch mit weniger Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchzuführen. Es findet also in jedem Fall statt", so Projektleiter Moritz.

Registrieren können sich Menschen im Alter zwischen 18 und 50 Jahren.

So läuft das Event-Experiment ab

Am Eingang beim „Check In" erhalten alle Teilnehmenden Kuverts mit der Nummer ihres Sitzplatzes sowie einer unterschiedlichen Anzahl an Tickets. Diejenigen mit drei Tickets nehmen an allen drei Simulationen teil, diejenigen mit zwei Tickets nur an den ersten beiden. „Alle Teilnehmenden erhalten ein sogenanntes Contact Tracing Device, also ein Gerät, das für jeden registriert ist und Intensität im Sinne von Abstand, Dauer und Häufigkeit eines Kontaktes misst und aufzeichnet. Wir haben dafür im gesamten Areal 30 sogenannte Anker angebracht, die mittels UltrabreitbandTechnologie die Position von allen 4.000 Probanden gleichzeitig messen können", so Moritz. 

Doch nicht nur in der Halle finde das Experiment statt, sondern auch die Anfahrt zur Arena ist Bestandteil. „Gerade bei großen Veranstaltungen kommen die Menschen auch aus dem Umland und bewegen sich im Stadtgebiet mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Deswegen binden wir auch die Anreise über einen Park- und Ride-Parkplatz an der Neuen Messe und am Völkerschlacht-Denkmal und die Fahrt mit einer Straßenbahn zur Arena mit ein und wollen hier die Anzahl der Kontakte nachverfolgen. Der Check In erfolgt auf dem Park- und Ride-Parkplatz und in der Straßenbahn sind ebenfalls Anker installiert", sagt Moritz. Hintergrund sei, dass man mit denjenigen, mit denen man in einer Straßenbahn Kontakt hatte nicht zwangsläufig auch im gleichen Teil der Veranstaltungshalle sitze und somit bereits vor dem eigentlichen Veranstaltungsort Ansteckungsrisiken bestehen würden. „Somit hoffen wir auch gleichzeitig noch die Frage zu beantworten, welches Ansteckungsrisiko öffentliche Verkehrsmittel ausmachen", erklärt Moritz.

Weitere Informationen zum Projekt, zum Ablauf und den Risiken des Experiments gibt es auf der Internetseite: www.restart19.de

(Dienstag, 04.08.20 - 17:42 Uhr   -   722 mal angesehen)

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