Wissenschaft und Forschung

Tübingen

Ein Lernort für Künstliche Intelligenz

Viele sehen in ihr die Technologie der Zukunft: KI - Künstliche Intelligenz. Darum scheint es sinnvoll, wenn Kinder und Jugendliche bereits frühzeitig damit in Berührung kommen. In einem gemeinsamen Projekt haben jetzt unter anderem die Universität Tübingen zusammen mit dem Jugendgemeinderat der Stadt und dem Cyber Valley den sogenannten „KI-Makerspace“ ins Leben gerufen - einen Ort, an dem junge Menschen unter fachkundiger Anleitung erste Erfahrungen mit künstlicher Intelligenz sammeln können.

Künstliche Intelligenz: Was steckt dahinter? Das sollen Kinder und Jugendliche an diesem außerschulischen Lernort durch Experimente selbst erfahren. Prof. Matthias Bethge, Direktor des Tübingen AI Center antwortet: „Intelligenz hat erst mal damit zu tun, mit neuen Situationen umgehen zu können und dafür die Erfahrung zu nutzen, also aus der Erfahrung das mitzunehmen und das generalisieren zu können auf das Neue."

Das heißt, künstliche Intelligenz ist nicht von Anfang an auf jede Möglichkeit vorbereitet, sondern künstliche Intelligenz kann lernen und wird dadurch immer besser. KI-Fachleute sprechen auch von lernenden Systemen. Prof. Philipp Hennig, Co-Sprecher des Cyber Valleys: „Lernende Systeme sind Computerprogramme, die ein Modell, das ein Mensch geschrieben hat, an Daten anpasst, und das heißt, man braucht Daten; das heißt aber auch, man braucht ein Modell. Das Modell muss der Mensch liefern." Wenn das der Mensch nicht bauen könne funktioniere die Maschine nicht. Bevor die Maschine lernen könne, müsse erst einmal der Mensch lernen. Und genau dieses Lernen soll hier geschehen, im KI Makerspace im ersten Stock des Casinos am Neckar, mitten in der Tübinger Innenstadt.

Was passiert im KI-Makerspace? Das verrät Koordinator Patrick Klügel: „Auf der einen Seite natürlich – das ist der Kern – programmieren von Scratch bis Python – das ist die Grundlage, aber jede Künstliche Intelligenz und jeder Code braucht auch ein Gehäuse, eine Hardware, und deswegen soll es auch darum gehen, mit Holzarbeiten oder mit Robotik-Bausätzen auch diesen Hardware-Teil selbständig zu arbeiten."

Das heißt, Jugendliche lernen erst mal ganz praktisch die Basics. Bauen beispielsweise einen Blumentopfwächter oder verwenden einen 3D-Drucker, um Dinge zu drucken, die eine KI entworfen hat. Die Anwendungsmöglichkeiten reichen von Hilfsgeräten für Blinde über Müllsortieranlagen bis hin zur Suchmaschine für vermisste Haustiere. „Jugendliche sollen herkommen und natürlich auch Anregungen bekommen, aber ich denke, sie werden schon eine Idee auch haben, was sie ausprobieren wollen und dann sie zu unterstützen, diese Ideen selber umzusetzen", so Pfrof. Bethge.

Aber der KI Makerspace soll über das rein Praktische hinausgehen. Es geht darum, Künstliche Intelligenz zu verstehen, um dann darüber nachzudenken, welche Rolle sie in der Gesellschaft spielen soll. Dr. Caroline Schmidt, Koordinatorin des KI-Makerspace: „Künstliche Intelligenz ist ein Werkzeug, so wie ein Messer ein Werkzeug ist. Man könnte auch sagen, ein Auto ist auch ein Werkzeug. Man kann Gutes damit tun, aber man kann auch Schlechtes damit tun. Wichtig ist es, ein Werkzeug zu kennen und ethisch korrekt einzusetzen. Und dafür sind wir hier."

Denn Künstliche Intelligenz ist in der Gesellschaft bereits weiter verbreitet, als viele wissen. Von Siri und Alexa bis zur Kaufempfehlung im Online-Versand, von den Algorithmen bei Facebook und Instagram bis zum automatischen Fahren. Zumindest vorerst gilt weiterhin: Jedes Computerprogramm ist nur so gut wie der Programmierer.

(Montag, 10.01.22 - 08:38 Uhr   -   958 mal angesehen)

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