Wissenschaft und Forschung

Tübingen

Amazon eröffnet neues Forschungs- und Entwicklungszentrum

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat am Dienstag-Abend das neue Forschungs- und Entwicklungszentrum von Amazon in Tübingen eröffnet. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Boris Palmer und Standort-Leiter Michael Hirsch gab er den Startschuss für den Betrieb des neuen Standorts. Das Gebäude bietet mehr Platz und moderne Arbeitsplätze. Derzeit arbeiten in Tübingen 70 Beschäftigte, die in Teams zu Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen forschen.

Boris Palmer, Winfried Kretschmann und Michael Hirsch in der Lobby des neuen Amazon-Gebäudes. Das Erdgeschoss ist öffentlich zugänglich. Hier gibt es ein Café, in dem sich die Amazon-Beschäftigten mit Forschern der Max-Planck-Institute in der Nachbarschaft, aber auch mit Tübinger Bürgern austauschen können.

"Es ist auch für die Stadtgesellschaft eine tolle Sache, weil man hier rein darf, weil man hier rein spazieren kann, sich ins Café setzen und selbst den Ausblick genießen", so Oberbürgermeister Boris Palmer. "Ich bin begeistert, allein schon vom Gebäude."

In die oberen Stockwerke dürfen dann nur die Amazon-Beschäftigten, und die finden dort eine Bürolandschaft vor, in der sie sich vor allem wohlfühlen sollen, die aber auch das Ziel hat, Kreativität und Teambildung zu fördern.

"Die Pandemie hat uns gezeigt, dass man auch von zu Hause arbeiten kann mit Home Office", sagte Michael Hirsch. "Bei uns ist es aber so, wir wollen eigentlich auch, dass die Leute gerne ins Büro kommen und sich austauschen, das ist ein Ort wird, wo man gerne ins Gespräch kommt, neue Ideen entwickelt."

Ideen zu drei Themen, zu denen hier geforscht wird. Das eine betrifft Kausalität. Beispiel: In Ländern mit hohem Schokoladenkonsum gibt es viele Nobelpreisträger. Das heißt nicht, dass Schokolade intelligent macht, sondern dass vielleicht beides die gleichen unbeobachteten Ursachen hat.

Ein weiteres Thema ist Fairness: Wie verhindert man, dass ein Algorithmus Menschen wegen Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht diskriminiert?

Das dritte Forschungsfeld wird hier mit einer Handy-App demonstriert. Damit kann man virtuell Schuhe anprobieren. Das löst ein generelles Problem für Kunden. "Da ist das Hauptproblem, dass, wenn man Kleidung online sieht, dann sieht man nur Bilder davon", sagte Applied Scientist Peter Gehler. "Man sieht nicht, ob die einem passen, man sieht das Material nicht, man sieht nicht, ob das nachher zwickt oder nicht, und wir arbeiten an verschiedensten Möglichkeiten, das zu verbessern."

Hoch hinaus ging es dann für Ministerpräsident Kretschmann und seine Begleiter auf die Dachterrasse. Der Blick reicht hier von Hohenneuffen bis Hohenzollern.

Am Standort in Tübingen wird Grundlagenforschung betrieben. Die Ergebnisse werden dann Forschern aus aller Welt zur Verfügung gestellt. "Wissenschaft und insbesondere auch Künstliche Intelligenz lebt vom Austausch", so Standortleiter Michael Hirsch. "Es ist ein Geben und Nehmen. Wenn wir etwas Neues herausgefunden haben, das in Form von Open Source Code herausgeben oder in Form von Veröffentlichungen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass andere das dann wieder aufgreifen und weiter entwickeln."

Oder wie Winfried Kretschmann es ausdrückte: Wer nicht mitkocht, der steht am Ende auf der Speisekarte. Es gehe darum nicht blindlings alles zu machen, aber auch nicht alles konsequent abzulehnen. Denn die amazon-Niederlassung in Tübingen war politisch durchaus umstritten. Boris Palmer, der selber kein amazon-Kunde ist, sieht es pragmatisch: "Wenn man die Pakete in der Stadt anguckt beim Altpapier, dann ist amazon schon lange da. Und dann macht es wenig Sinn, sich bei der Forschung auszuklinken und nur noch Abnehmer für die Lieferservices zu werden. Deswegen meine ich, es ist ganz vernünftig dabei zu sein, die Entwicklung mitzugestalten und zum Beispiel Gewerbesteuer in Tübingen einzunehmen, weil es wir tatsächlich mit diesem Forschungszentrum in nicht ganz unerheblichem Maße tun werden."

Und dazu kommt das Prestige, dass so mancher weltweit angewandter Algorithmus in Tübingen entwickelt worden sein wird.

(Mittwoch, 01.03.23 - 16:34 Uhr   -   2155 mal angesehen)

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