Sonnenbühl-Genkingen
Spurensuche im Wald: Ausgrabungen auf der Burg Hohengenkingen
Tief im Wald auf dem Gebiet der Gemeinde Sonnenbühl zwischen Genkingen und Undingen liegen die Reste der Burg Hohengenkingen. Hoch aufragendes Mauerwerk gibt es hier nicht, nur spärliche Mauerreste künden vom einstigen Glanz einer Adelsfamilie, die im elften Jahrhundert immerhin zusammen mit den Pfalzgrafen von Tübingen erwähnt wurde. Mehr über diese Burg herauszufinden, das hat sich der Verein „Die Burg“ auf die Fahnen geschrieben. Derzeit läuft eine Grabungskampagne mit Studenten der Universität Tübingen, unterstützt von der Wüstenrotstiftung.
Zwischen Wurzeln und Mauerwerk rücken die Grabungshelferinnen und -helfer dem Waldboden mit der Kelle zu Leibe. Es geht darum, dem Waldboden die Geheimnisse zu entreißen, die er jahrhundertelang verborgen gehalten hatte. Denn noch ist sehr wenig über die Burg bekannt. Ob hier an einem Palas oder an einem Wohnturm gegraben wird, ist Gegenstand der Diskussion.
Grabungsleiter Adrian Brombach: "Wir wissen aber, dass wir verschiedene Bauphasen haben, sprich, die Burg ist ein komplexes System, was über die Jahrzehnte hinweg oder die Jahrhunderte hinweg ausgebaut wurde, sich auch strukturlich verändert hat, wir haben auch ein Brandereignis, mindestens eines, was wir nachweisen können."
Die Funde sind bislang wenig spektakulär, dafür aber reichlich: Gefäßkeramik, aber auch Reste von Kachelöfen. Der Nachweis dafür, dass mehrere Stuben beheizt waren. In der damaligen Zeit ein wahrer Luxus. Auch Dachziegel haben die Grabungshelfer zu Hauf gefunden. Außerdem:
"Wir haben auch Glasnucken gefunden", so Adrian Brombach, "also zwei verschiedene Sorten, also zwei verschiedene Arten von Glasnucken, also verschiedene Gläser, was für uns auch spannend ist, die sich aber alle an einen Fundort konzentriert haben, da müssen wir auch im Nachhinein, da dürfen wir diskutieren, ob man da vielleicht Indikatoren dadurch hat, ob da jetzt beispielsweise die Küche in der Nähe sich befand oder nicht."
Archäologie ist Knochenarbeit. Aber nicht nur körperlich, sondern auch geistig anspruchsvoll. Denn jeder Schritt, jede Schicht, jeder Fund muss genau dokumentiert werden. Denn durch die Ausgrabung wird der Originalbefund zerstört. "Wir müssen auch die Funde natürlich auch den jeweiligen Schichten zuordnen können, sprich man kann den Fund nicht einfach bergen und sagen: Hey, ich habe einen Fund, man muss den Fund sozusagen mit einem Fundzettel versehen, indem man dann einordnen kann und sozusagen am Ende Aussagen zu treffen beispielsweise: Wie alt sind die Schichten aufgrund des Fundmaterials, das sich in den Schichten befindet", so Brombach.
Nach der Grabung ist die Arbeit aber noch lange nicht beendet. Denn es folgt die Auswertung, und das bedeutet für die Archäologen dann viel Büroarbeit.
(Montag, 13.04.26 - 16:28 Uhr - 388 mal angesehen)
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