Wissenschaft und Forschung

Kusterdingen-Jettenburg

Burg entdeckt: Rettungsgrabung bringt Turmrest ans Tageslicht

Es ist eine archäologische Sensation: Bei einer Rettungsgrabung in der Ortsmitte von Jettenburg, Gemeinde Kusterdingen, haben Archäologen die Grundmauern des Turmes einer mittelalterlichen Burg entdeckt. Diese gilt als Keimzelle des Dorfes und war bisher nur aus schriftlichen Quellen bekannt. Die Rettungsgrabung wurde nötig, weil hier anstelle von älteren Gebäuden zwei Mehrfamilienhäuser inklusive Tiefgarage entstehen sollen.

Was zutage gefördert wurde, ist die Ecke eines Turmes. Die Mauern sind massiv genug, um drei Stockwerke oder mehr zu tragen. Ein Befund, der auch die hier grabenden Archäologen überrascht. Dr. Dorothee Brenner vom Landesamt für Denkmalpflege: "Wir ätten einfach nicht erwartet, einen so hervorragend erhaltenen Burgturm zu finden, eine Art von Burg wussten wir, dass es hier gab, aber dass da wirklich noch so massive Reste übrig sind, hätten wir tatsächlich nicht erwartet."

Für die Ausgrabung zuständig ist das Archäologie-Unternehmen Fodilus GmbH im Auftrag des Bauherrn. Auch wenn das Graben für die Firma zum täglichen Geschäft gehört: So eine Entdeckung kommt nicht oft vor. Dr. Gerd Stegmaier: "Es ist auf jeden Fall etwas besonderes, wir haben zwar im Bereich der Archäologie durch die Zeit hinweg von einfachen Erdbefunden bis zu Mauern zu tun, aber solche massiven Mauern in dieser Größe, in dieser guten Erhaltung, das sind auch für uns außergewöhnliche Strukturen, die wir nicht jeden Tag zu Gesicht bekommen."

Wie alt die Mauern letztendlich sind, das lässt sich anhand von sogenannten Datierungsfunden in den Grabungsschichten herausfinden. Gefunden haben die Archäologen nicht viel, wohl aber ein paar Keramikscherben. Demnach stammt der Turm aus dem elften Jahrhundert, doch ältere Grabungsschichten reichen zurück bis ins neunte Jahrhundert. Damals dürfte dort ein hölzerner Vorgängerbau gestanden haben.

Die Bewohner gehörten zur Elite der damaligen Zeit. "Das war kein Niederadel auf jeden Fall, sondern die darf man zum Hochadel rechnen", sagte Dr. Dorothee Brenner. "Die stammen sehr wahrscheinlich aus dem Dunstkreis der Pfalzgrafen von Tübingen, haben auf jeden Fall offenbar viel mit ihnen zu tun gehabt, erwähnt werden diese Adligen, die sich nach dem Ort hier benannt haben, vor allen Dingen im 12. Jahrhundert."

Beim Landesamt für Denkmalpflege hofft man, die Ruinen für die Burgen- und Heimatforschung auch künftiger Generationen im Boden erhalten zu können. Ob die Mauern auch erhalten werden, steht noch nicht fest. Dass die Öffentlichkeit mal den Burgrest besichtigen kann, ist sehr unwahrscheinlich.

(Montag, 04.03.24 - 15:44 Uhr   -   2405 mal angesehen)

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