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Sibirien

Wollnashorn-Baby Sasha ist 36.000 Jahre alt - Internationales Expertenteam untersucht Baby aus sibirischem Permafrost-Boden

Das vor einigen Monaten im sibirischen Permafrost-Boden gefundene, gut erhaltene Wollnashorn-Baby "Sasha" ist 24.000 Jahre älter als gedacht. Das ergaben Untersuchungen des konservierten Kadavers durch ein internationales Expertenteam. Wegen des Schlamms, der in der Nase des Tieres gefunden wurde, gehen die Forscher davon aus, dass das Jungtier ertruken sein muss. Auch eine Untersuchung der DNA des Wollnashorns ist im Gang, um durch einen Vergleich mit heutiger Nashorn-DNA Aufschlüsse über die Evolution der Nashörner zu gewinnen.

Der Sensationsfund - das erste erhaltene Jung-Wollhaarnashorn weltweit - war dem Jäger und Geschäftsmann Alexander "Sascha" Banderov vor einigen Monaten  Sibirien gelungen: Zusammen mit seinem Freund Semen Ivanov fand er die gut erhaltenen Überreste eines eiszeitlichen Wollnashorn-Babys. Die sibirische Nachrichtenplattform Siberian Times hatte im März 2015 erstes Medium über den Fund berichtet.

Wissenschaftler der Akademie der Wissenschaften in Yakutsk, an die der Fund übergeben wurde, schätzten das Alter des Wollnashorn-Babys auf 18 Monate. Zunächst waren die Wissenschaftler davon ausgegangen, dass das Nashorn vor 10.000 Jahren gestorben war. Diese Angaben haben die Wissenschaftler nun deutlich revidiert:  34.000 Jahre hatte demnach der gefrorene sibirische Permafrost-Boden das junge Nashorn konserviert, bevor es vom schmelzenden Eis freigegeben und von Banderov rechtzeitig gefunden wurde, bevor die Überreste Opfer von Verwesung und Raubtieren wurden.

Banderov machte seinen Fund an am rechten Ufer eines Nebenflusses des Semyulyakh-Flusses im sibirischen Abyysky-district.

"Wir waren an einer Schlucht segeln",berichtete Banderov der Siberian Times. "Uns ist Haar aufgefallen, das oben an der Schlucht hing. Die beiden Entdecker hielten den Fund zunächst für die Überreste eines Rentieres: "Aber nachdem es getaut und heruntergefallen war, sahen wir ein Horn .. und  uns wurde klar: Das muss ein Rhino sein. Die Teile des Nashorns, die schon aus dem Eis herausgeschaut hatte, hatten wilde Tiere gefressen. Aber sein Rest steckte noch im Permafrost und war gut erhalten", sagte Banderov. 

Anlässlich der offiziellen Übergabe des Fundes an die Akademie der Wissenschaften in Yakutien sagte Alexander Banderov, der im Dorf Abyjski ulus (Weiße Berge) lebt: "Wir sahen den Kadaver Im letzten Sommer während der Jagd, 70 km von der Stadt  Abyjski ulus entfernt. Semyon Iwanow sah den mit Haar bedeckten Körper. Er schaute  aus der Erde heraus, an einer hohen Schlucht. So konnten wir nicht näher heran und dachten zuerst, es sei ein Rentier. Erst im September, als das Eis auftaute, ist  ein Stück gefrorener Boden abgebrochen und wir konnten näher hin kommen. An den zwei charakteristischen Erhebungen auf dem Kopf des Tieres, erkannten wir, dass es ein Nashorn ist."

Dann begannen die beiden mit der Bergung des Fundes: "Als wir in der Lage waren, den Kadaver aus dem Boden zu entfernen, zogen wir ihn sofort ins Dorf und haben ihn in einem Eisraum aufgestellt, um die Reste im gleichen Zustand zu bewahren." Die beiden hatten schon früher gehört, dass sich die Akademie der Wissenschaften von Jakutien mit dem Studium fossiler Tieren beschäftigt. Aus diesem Grund informierten die beiden Finder die Akademie. 

Aufgrund von Transportschwierigikeiten wurde das Mammut erst sechs Monate später, im Februar 2015, nach Jakutsk gebracht. Dort wurde es auf einer Pressekonferenz offiziell der Akademie übergeben.

Paläontologen halten den Fund für eine Sensation: Während von Eis konservierte Mammut-Kadaver immer wieder gefunden werden, gibt es bisher kaum Funde von vom Permafrost konservierten Woll-Nashörnern. Der Fund von Banderov ist das erste Wollnashorn-Baby überhaupt, das mit Fell und erhaltenen Weichteilen geborgen werden konnte. Nicht einmal den Zahn eines Wollnashorn-Babys habe er bisher gehabt, sagte einer der Wissenschaftler gegenüber der Siberian Times:

Albert Protopopov, Leiter der Mammut Fauna Abteilung der Akademie der Wissenschaften der Sakha Republic, sagte: "Der Fund ist absolut einzigartig. Die Zahl der erwachsenen Wollhaarmammuts, die weltweit gefunden wurden, können wir an den Fingern einer Hand abzählen. Ein Baby-Rhino wurde noch niemals zuvor gefunden. Es gab nur einen Fall im 21. Jahrhundert, als wir in Jakutien einen gefrorenen Körper eines erwachsenen Wollhaarmammuts gefunden haben. Das war 2007 in Kolyma. Im 20. Jahrhundert wurden die Überreste von Wollhaarmammuts in Verkhoyansky und Vilyuisky  gefunden, aber diese waren mumifiziert und deshalb für Untersuchungen nicht brauchbar."

Auf der Pressekonferenz sagte Banderov außerdem über den jüngsten Fund: " Das Nashorn starb wahrscheinlich, nachdem es in eine Grube gefallen war. Ein Teil des Kadavers war von wilden Tieren gefressen worden: Auf der Haut, gibt es Zahnabdrücke. Aber der Kopf des Tieres ist in einem fast perfekten Erhaltungszustand: Erhalten sind Augen, Ohren, Zähne und Schädel. Es gibt auch zwei Beine mit Hufen."

Bereits m zwanzigsten Jahrhundert waren in einer ukrainischen Bitumen-Grube bei Starunia die Körper zweier von der dort vorkommenden Teer-Substanz konservierten weiblicher Wollnashörner, sowie Überreste zweier weiterer Individuen gefunden worden. Eines davon wurde für eine Ausstellung in einem Museum präpariert. Im Gegensatz zum jetzigen Fund waren das Fell der damals gefundenen Exemplare nicht erhalten.

Im Permafrostboden Sibiriens, dessen Eis über Jahrtausende unter einer Schicht Erde auch im Sommer nicht auftaut, waren bislang nur wenige Wollnashorn-Funde gemacht worden. Zwei seinerzeit im Verkhoyansky- und im Vilyuisky-Distrikt gefundenen Wollnashörner waren mumifiziert; an den Überresten konnten deswegen, der Akademie der Wissenschaften zufolge, keine Studien vorgenommen werden. 

Bei dem im März 2015 gefundenen Nashorn-Baby, das zu Ehren seines Erfinders "Sasha" getauft wurde, sind Horn und Fell des Schädels, sowie einige Weichteile des Körpers samt Fell erhalten.

Das Geschlecht des Tieres ist unbekannt, aber der Name "Sasha", auf den das Baby-Nashorn jetzt getauft wurde, witzelte der Wissenschaftler, passe auf ein Mädchen und einen Jungen: "Jetzt können wir sagen, dass das Nashorn im späten Pleistozän lebte, und ein Zeitgenosse der Mammuts war. Das Tier starb im Alter von 2-3 Jahren, das Körpergewicht liegt etwa bei 60 Pfund." Offensichtlich war das Jungtier ertrunken, schließen die Wissenschaftker aus dem Schlammprofen, den sie im Nasenbereich fanden.

Die sibirischen Wissenschaftler sind zuversichtlich, aus dem vorhandenen Material brauchbare DNA und neue Erkenntnisse über Leben und Aussterben der Wollnashörner zu gewinnen: "Der erste Schritt", sagte Banderov, "sind die Auswahltests für mikrobiologische Untersuchungen, und ebenso  die Durchführung der ersten Inspektion der Überreste." Traditionell arbeite man mit Yakutien, sowie mit russischen und ausländischen wissenschaftlichen Einrichtungen zusammen. Die DNA-Untersuchungen werden von einem Forschungsteam im US-amerikanischen San Diego vorgenommen.

Im Gegensatz zu den heute noch in Afrika und Südasien lebenden Nashornarten war das Wollnashorn durch sein Fell an ein rauhes Klima angepasst. Der Lebensraum des Wollnashorns erstreckte sich von Schottland in Europa bis nach Sibirien und Südkorea. Darstellungen von Wollnashörnern finden sich als Höhlenmalereien in verschiedenen Höhlen in Europa.

Die kälte-unempfindliche Nashornart lebte im Pleistozän, von ca. 2,5 Millionen Jahren bis vor ca. 10.000 Jahren. Als mögliche Gründe für das Aussterben des Wollnashorns werden klimatische Faktoren oder die Bejagung durch den Menschen angenommen. (Quellen für den Fundbericht: Siberian Times / Pressemitteilung der Akademie der Wissenschaften in Yakutien)

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