Wissenschaft und Forschung

Welterbeliste

Das sind die neuen Unesco-Welterbestätten 2023

Die Welterbeliste ist um zwölf neue Stätten ergänzt worden. Das hat das Unesco-Welterbekomitee auf seiner Sitzung in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad beschlossen. Das sind die neuen Welterbestätten rund um den Globus.
News-Schrift vor Weltkarte

Das Unesco-Welterbekomitee entscheidet in der Regel jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasst sich mit dem Erhaltungszustand eingeschriebener Stätten. Auf der Liste des Unesco-Welterbes stehen derzeit fast 1.200 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern. 56 davon gelten als bedroht. Deutschland verzeichnet 52 Welterbestätten. Bei seiner Tagung in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad im September 2023 hat das Unesco-Welterbekomitee diese Orte auf die Welterbeliste aufgenommen:

Grab- und Gedenkstätten des Ersten Weltkriegs (Belgien, Frankreich)

Die Welterbestätte erstreckt sich entlang der Westfront des Ersten Weltkriegs vom Norden Belgiens bis nach Ostfrankreich. Sie umfasst verschiedenste Gräber und Gedenkstätten: von großen Militärfriedhöfen, auf denen zehntausende Soldaten aus Europa und den Kolonien der Kriegsparteien beigesetzt wurden, bis hin zu einzelnen Mahnmalen. Sie wurden als Reaktion auf das ungekannte Ausmaß des Krieges errichtet und zeugen von einer neuen Gedenkkultur, die auch dem Bedürfnis nach individueller Trauer und Erinnerung Rechnung trägt.

Winterkalte Wüsten von Turan (Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan)

Die winterkalten Wüsten von Turan zwischen dem Kaspischen Meer im Westen und den zentralasiatischen Hochgebirgen im Osten sind von äußerst kalten Wintern und sehr heißen Sommern geprägt. Niederschlag fällt kaum. Dennoch haben sich unter diesen extremen Bedingungen äußerst vielfältige und artenreiche Ökosysteme entwickelt. Neben zahlreichen endemischen Pflanzen beheimaten die Wüsten viele Insekten, Reptilien, Amphibien und Brutvögel. Sie sind zudem ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel. In Turan leben außerdem bedrohte Säugetiere, wie die Kropfgazelle, die Saigaantilope und der Urial. Auch bedeutende Populationen von Schneeleoparden, Streifenhyänen und Schmutzgeiern sind in den Wüsten zu finden.

Gedenkstätten des Völkermords: Nyamata, Murambi, Gisozi und Bisesero (Ruanda)

1994 töteten bewaffnete Milizen, die Interahamwe, in Ruanda schätzungsweise eine Million Menschen. Ihre Opfer waren vor allem Tutsi, aber auch Hutu und Twa wurden ermordet. Den Opfern dieses Genozids sind vier Gedenkstätten gewidmet. Dazu zählen die katholische Kirche von Nyamata und die Technische Schule in Murambi, die Schauplatz der Massaker waren. In Gisozi unweit der Hauptstadt Kigali befindet sich das 1999 errichtete Kigali Genocide Memorial, in dem mehr als 250.000 Opfer bestattet wurden. Das vierte Mahnmal in Bisesero erinnert an jene Menschen, die sich dort ihren Mördern mehr als zwei Monate lang widersetzten. Die vier Gedenkstätten zeugen von diesem schrecklichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und sind ein Mahnmal für Frieden und Toleranz.

'Uruq Bani Ma'arid (Saudi-Arabien)

'Uruq Bani Ma'arid liegt am westlichen Rand von Rub al-Chali, der größten Sandwüste der Erde. Das ausgedehnte Dünensystem der Welterbestätte beherbergt eine größere biologische Vielfalt als jeder andere Teil der Rub al-Chali. 'Uruq Bani Ma'arid ist der letzte Ort, an dem die Arabische Oryxantilope in freier Wildbahn gesichtet wurde. Die Region ist deshalb Zentrum eines intensiven Wiederansiedlungsprogramms, das neben Oryxantilopen auch andere Schlüsselarten wie die Sandgazelle und die Arabische Berggazelle in ihre natürlichen Lebensräume zurückführen soll.

Tugay-Wälder des Tigrowaja-Balka-Naturreservats (Tadschikistan)

Die Tugay-Wälder des Tigrowaja-Balka-Naturreservats liegen am Zusammenfluss der Ströme Wachsch und Pandsch im Südwesten Tadschikistans. Das Gebiet umfasst ausgedehnte Ufer-Ökosysteme mit Auenterrassen und Flusswäldern, die Kashka-Kum-Sandwüste, den Buritau-Gipfel sowie das Hodja-Kaziyon-Gebirge. In den Wälder, den sandigen und salzhaltigen Halbwüsten, Halbsavannen und Feuchtgebieten des Naturreservats hat sich eine sehr spezifische Artenvielfalt entwickelt. So wachsen hier salztolerante Bäume, wie die Asiatische Pappel. Zur Fauna gehören unter anderem der Bucharahirsch, die Kropfgazelle, Streifenhyänen und Wüstenwarane.

Bale-Mountains-Nationalpark (Äthiopien)

Der Bale-Mountains-Nationalpark gilt als ein Hotspot der biologischen Vielfalt. In dem spektakulären Landschaftsmosaik finden sich unterschiedlichste Ökosysteme, darunter der größte alpine Lebensraum Afrikas auf über 3.000 Metern Höhe mit zahlreichen Gletscherseen, Feuchtgebieten und Mooren. An anderen Stellen gedeihen ausgedehnte Graslandschaften und Waldgebiete. So fallen etwa die Südhänge des Gebirges dramatisch in den Harenna-Wald ab, den zweitgrößten Regenwald Äthiopiens. Die Bale Mountains sind Heimat für viele bedrohte Arten, wie den Bergnyala, die Bale-Grünmeerkatze und den Äthiopischen Wolf.

Kulturlandschaft des Khinalig-Volkes und „Köç Yolu"-Transhumanzroute (Aserbaidschan)

Khinalig im Kaukasus ist mit 2.100 Metern das höchstgelegene Dorf Aserbaidschans und Heimat der gleichnamigen Halbnomaden. Ihre Kultur und Lebensweise sind geprägt durch die saisonale Wanderung zwischen Sommerweiden, Yaylaqs, und Winterweiden, Qishlaqs. Die Wanderweidewirtschaft wird entlang der „Köç Yolu" betrieben, zu Deutsch „Wanderroute". Dieses gewachsene Netzwerk aus alten Straßen, Weiden und Zeltplätzen, Bewässerungssystemen, Quellen und Brunnen, Mausoleen, Moscheen, Friedhöfen und Brücken erstreckt sich über eine Strecke von rund 200 Kilometern. Dank ihres außerordentlich guten Erhaltungszustands gilt die Route als herausragendes Beispiel einer seit langem bestehenden nachhaltigen Landnutzung, die an vielfältige und extreme Umweltbedingungen angepasst ist.

Das Maison Carrée von Nîmes (Frankreich)

Das Maison Carrée ist ein herausragend gut erhaltener römischer Tempel aus dem 1. Jahrhundert. Er entstand in der Übergangszeit von der Republik zum Kaiserreich und war den jung verstorbenen Erben von Kaiser Augustus – Gaius und Lucius Caesar – gewidmet. Sein Platz im Forum des früheren Nemausus zeugt von der Bedeutung des neuen Kaiser-Kults in den römischen Provinzen. Der Tempel vereint architektonische und dekorative Merkmale des antiken Roms mit solchen der augusteischen Epoche. Das Bauwerk kündet vom Anspruch des Kaisertums, das Römische Reich in eine Zeit des Friedens, des Wohlstands und der Stabilität, die Pax Romana, zu führen.

Archäologischer Park Tak'alik Ab'aj (Guatemala)

Nahe der Pazifikküste Guatemalas gelegen, zeugt der archäologische Park Tak'alik Ab'aj von der 1.700-jährigen Geschichte der gleichnamigen Terrassenstadt, die zwischen 800 v. Chr. und dem Jahr 900 existierte. In dieser Zeit ging die Olmeken-Zivilisation allmählich in die frühen Maya-Kultur über. Tak'alik Ab'aj war für diesen Wandel von besonderer Bedeutung. Durch ihre Lage an einem wichtigen Handelsweg zwischen den heutigen Staaten Mexiko und El Salvador, wurde die Stadt durch Wissen, Können und Bräuche bereichert, die entlang der Route ausgetauscht wurden. Noch heute betrachten viele indigene Gruppen den archäologischen Park als heiligen Ort.

Heilige Ensembles der Hoysala (Indien)

Die drei bedeutendsten Tempelkomplexe im Hoysala-Stil aus dem 12. bis 13. Jahrhundert befinden sich im heutigen Bundesstaat Karnataka in Südindien. Der Hoysala-Stil entstand durch die sorgfältige Auswahl älterer Sakralbauelemente und ihre Integration in neue Tempel. Ziel der Hoysala-Dynastie war es, eine kulturelle Identität zu schaffen, die sich klar von jenen der starken Nachbarkönigreiche unterschied. Die sternförmigen Schreine der Hoysala zeichnen sich durch hyperreale Skulpturen und Steinschnitzereien aus, die ihre gesamte Oberfläche bedecken. Skulpturengalerien erzählen religiöse Geschichten und ganze Epen nach. Diese innovative und exzellent ausgeführte Bildhauerkunst stellt eine bedeutende Etappe in der Entwicklung hinduistischer Tempelarchitektur dar.

Die kosmologische Achse von Yogyakarta und ihre historischen Landmarken (Indonesien)

Die sechs Kilometer lange Nord-Süd-Achse im Zentrum von Yogyakarta ist ein außergewöhnliches Zeugnis der Zivilisation und Kultur Javas. Sie verbindet den Berg Merapi, der als Wohnsitz der Schutzgeister gilt, mit dem Palastkomplex, Denkmälern und Plätzen der Stadt und schließlich dem Indischen Ozean, Heimat der Königin des Südmeeres. 1755 von Sultan Mangkubumi errichtet, sollte Yogyakarta als Hauptstadt des gleichnamigen Sultanats eine Miniatur des Universums sein. In der Anlage manifestieren sich philosophische Annahmen über den Menschen, das Leben und den Kosmos.

Kaunas der Moderne: Architektur des Optimismus, 1919-1939 (Litauen)

Kaunas war von 1919 bis 1939 Hauptstadt Litauens und stellt ein herausragendes Beispiel für Urbanisierungs- und Modernisierungsprozesse dar, die zwischen den Weltkriegen in Ost- und Mitteleuropa stattfanden. Im Geist des Nachkriegsoptimismus trieb die Bevölkerung eine rasche Umgestaltung ihrer Stadt voran, um auf die sozioökonomischen Bedingungen der Zeit und den Bedeutungszuwachs von Kaunas zu reagieren. Die Entwicklung erfolgte auf Basis eines früheren Stadtgrundrisses und integrierte die umgebende Natur ebenso wie Teile der militärischen Befestigungsanlagen aus dem 19. Jahrhundert. Die Entwicklungen in Kaunas inspirierten die Moderne in Litauen über das gesamte 20. Jahrhundert hinweg.

Astronomische Observatorien der Föderalen Universität Kasan (Russische Föderation)

Das astronomische Observatorium von Kasan wurde 1837 erbaut und befindet sich auf dem Universitätscampus der Stadt. Es zeichnet sich durch eine halbkreisförmige Fassade und drei Türme aus, in denen astronomische Instrumente untergebracht sind. Eine zweite Anlage, das Engelhardt-Observatorium, wurde bis 1901 in einem bewaldeten Vorort Kasans errichtet, um den Himmel außerhalb der immer heller werdenden Stadt beobachten zu können. Beide Obersvatorien sind mitsamt ihren Instrumenten hervorragend erhaltenen und zeugen vom Übergang der Astrometrie zur Astrophysik.

Prähistorische Stätten des Talayotischen Menorca (Spanien)

Auf Menorca, der zweitgrößte Baleareninsel, finden sich ausgesprochen viele Trockensteinbauten aus der Bronze- und späten Eisenzeit. Sie wurden aus großen Steinblöcken ohne Mörtel errichtet und zeugen von der sogenannten zyklopischen Architektur. Typisch für diesen Baustil sind runde Häuser, von Säulen getragene Dächer und künstliche Höhlen, Hypogäen genannt. Aufgrund ihrer großen Zahl und ihres außergewöhnlich guten Erhaltungszustands geben die Bauten Aufschluss über die prähistorischen Inselkulturen der Region. So lässt ihre räumliche Verteilung auf hierarchische Gesellschaften schließen, während Blickachsen soziale Netzwerke und astronomische Ausrichtungen ein religiöses Bedeutungssystem vermuten lassen.

?atec und die Landschaft des Saazer Hopfens (Tschechien)

?atec und die Landschaft des Saazer Hopfens mit den Dörfern Stekník und Trnovany liegen im Nordwesten Tschechiens. Seit 700 Jahren wird hier die weltweit renommierte Hopfensorte angebaut, verarbeitet und vertrieben. Neben den Hopfenfeldern mit ihren typischen Spalieren aus Stangen und Drähten prägen Wirtschaftsgebäude die Landschaft. Im Zentrum der Stadt ?atec finden sich unzählige Lagerhäuser, Darren und Schwefelkammern. Das hier entwickelte und verfeinerte Know-how rund um den Hopfenanbau verschaffte dem Ort im 19. Jahrhundert weltweit Anerkennung. Der Ruf ?atecs als Hopfenzentrum ersten Ranges ist bis heute ungebrochen.

Gordion (Türkei)

Gordion war das politische und kulturelle Zentrum des antiken Phrygien. Die Stadt lag etwa neunzig Kilometer südwestlich des heutigen Ankara am Schnittpunkt der großen Reiche: Assyrer, Babylonier und Hethiter im Osten, Griechen und Römer im Westen. Die Grabungsstätte Gordion ist dadurch sowohl für das Verständnis der phrygischen Zivilisation als auch der gesamten Eisenzeit außerordentlich wichtig. So befindet sich am Eingang zur Zitadelle Gordion der am besten erhaltene Torkomplex der Eisenzeit.

Djerba: Kulturlandschaft, Zeugnis eines Siedlungsmusters auf einem Inselgebiet (Tunesien)

Auf der tunesischen Insel Djerba zeigt sich ein herausragendes Siedlungsmuster aus dem 9. Jahrhundert, das der Wasserknappheit auf der Insel Rechnung trug. Die Kulturlandschaft zeichnet sich durch eine besonders geringe Bebauungsdichte aus: Houma genannte Nachbarschaften, die aus mehreren Höfen bestanden, lagen über die Insel verstreut. Sie waren wirtschaftlich autark, aber über ein komplexes Straßennetz untereinander sowie mit verschiedenen religiösen Zentren und Handelsplätzen verbunden. Urbanere jüdische Quartiere ergänzten diese Raumaufteilung. Auf Djerba entwickelte sich so ein soziokulturelles Wirtschaftsmodell, das auf die natürlichen Bedingungen der Insel abgestimmt war.

(Mittwoch, 20.09.23 - 15:53 Uhr   -   542 mal angesehen)

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