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Sibirien

Wollnashorn-Baby gefunden - Sibirischer Permafrost-Boden gibt Sensationsfund frei

01.03.2015. Dem Jäger und Geschäftsmann Alexander "Sascha" Banderov ist in Sibirien ein Sensationsfund gelungen: Zusammen mit seinem Freund Semen Ivanov fand er die gut erhaltenen Überreste eines eiszeitlichen Wollnashorn-Babys. Das meldete jetzt die sibirische Online-Zeitung Siberian Times. Wissenschaftler der Akademie der Wissenschaften in Yakutsk, an die der Fund übergeben wurde, schätzen das Alter des Wollnashorn-Babys auf 18 Monate. Geschätzte 10.000 Jahre hatte der gefrorene sibirische Permafrost-Boden das junge Nashorn konserviert, bevor es vom schmelzenden Eis freigegeben und von Banderov rechtzeitig gefunden wurde, bevor die Überreste Opfer von Verwesung und Raubtieren wurden.

Banderov machte seinen Fund an am rechten Ufer eines Nebenflusses des Semyulyakh-Flusses im sibirischen Abyysky-district.

"Wir waren an einer Schlucht segeln",berichtete Banderov der Siberian Times. "Uns ist Haar aufgefallen, das oben an der Schlucht hing. Die beiden Entdecker hielten den Fund zunächst für die Überreste eines Rentieres: "Aber nachdem es getaut und heruntergefallen war, sahen wir ein Horn .. und  uns wurde klar: Das muss ein Rhino sein. Die Teile des Nashorns, die schon aus dem Eis herausgeschaut hatte, hatten wilde Tiere gefressen. Aber sein Rest steckte noch im Permafrost und war gut erhalten", sagte Banderov. 

Anlässlich der offiziellen Übergabe des Fundes an die Akademie der Wissenschaften in Yakutien sagte Alexander Banderov, der im Dorf Abyjski ulus (Weiße Berge) lebt: "Wir sahen den Kadaver Im letzten Sommer während der Jagd, 70 km von der Stadt  Abyjski ulus entfernt. Semyon Iwanow sah den mit Haar bedeckten Körper. Er schaute  aus der Erde heraus, an einer hohen Schlucht. So konnten wir nicht näher heran und dachten zuerst, es sei ein Rentier. Erst im September, als das Eis auftaute, ist  ein Stück gefrorener Boden abgebrochen und wir konnten näher hin kommen. An den zwei charakteristischen Erhebungen auf dem Kopf des Tieres, erkannten wir, dass es ein Nashorn ist."

Dann begannen die beiden mit der Bergung des Fundes: "Als wir in der Lage waren, den Kadaver aus dem Boden zu entfernen, zogen wir ihn sofort ins Dorf und haben ihn in einem Eisraum aufgestellt, um die Reste im gleichen Zustand zu bewahren." Die beiden hatten schon früher gehört, dass sich die Akademie der Wissenschaften von Jakutien mit dem Studium fossiler Tieren beschäftigt. Aus diesem Grund informierten die beiden Finder die Akademie. 

Aufgrund von Transportschwierigikeiten wurde das Mammut erst sechs Monate später, im Februar 2015, nach Jakutsk gebracht. Dort wurde es auf einer Pressekonferenz offiziell der Akademie übergeben.

Paläontologen halten den Fund für eine Sensation: Während von Eis konservierte Mammut-Kadaver immer wieder gefunden werden, gibt es bisher kaum Funde von vom Permafrost konservierten Woll-Nashörnern. Der Fund von Banderov ist das erste Wollnashorn-Baby überhaupt, das mit Fell und erhaltenen Weichteilen geborgen werden konnte. Nicht einmal den Zahn eines Wollnashorn-Babys habe er bisher gehabt, sagte einer der Wissenschaftler gegenüber der Siberian Times:

Albert Protopopov, Leiter der Mammut Fauna Abteilung der Akademie der Wissenschaften der Sakha Republic, sagte: "Der Fund ist absolut einzigartig. Die Zahl der erwachsenen Wollhaarmammuts, die weltweit gefunden wurden, können wir an den Fingern einer Hand abzählen. Ein Baby-Rhino wurde noch niemals zuvor gefunden. Es gab nur einen Fall im 21. Jahrhundert, als wir in Jakutien einen gefrorenen Körper eines erwachsenen Wollhaarmammuts gefunden haben. Das war 2007 in Kolyma. Im 20. Jahrhundert wurden die Überreste von Wollhaarmammuts in Verkhoyansky und Vilyuisky  gefunden, aber diese waren mumifiziert und deshalb für Untersuchungen nicht brauchbar."

Auf der Pressekonferenz sagte Banderov außerdem über den jüngsten Fund: " Das Nashorn starb wahrscheinlich, nachdem es in eine Grube gefallen war. Ein Teil des Kadavers war von wilden Tieren gefressen worden: Auf der Haut, gibt es Zahnabdrücke. Aber der Kopf des Tieres ist in einem fast perfekten Erhaltungszustand: Erhalten sind Augen, Ohren, Zähne und Schädel. Es gibt auch zwei Beine mit Hufen."

Bereits m zwanzigsten Jahrhundert waren in einer ukrainischen Bitumen-Grube bei Starunia die Körper zweier von der dort vorkommenden Teer-Substanz konservierten weiblicher Wollnashörner, sowie Überreste zweier weiterer Individuen gefunden worden. Eines davon wurde für eine Ausstellung in einem Museum präpariert. Im Gegensatz zum jetzigen Fund waren das Fell der damals gefundenen Exemplare nicht erhalten.

Im Permafrostboden Sibiriens, dessen Eis über Jahrtausende unter einer Schicht Erde auch im Sommer nicht auftaut, waren bislang nur wenige Wollnashorn-Funde gemacht worden. Zwei seinerzeit im Verkhoyansky- und im Vilyuisky-Distrikt gefundenen Wollnashörner waren mumifiziert; an den Überresten konnten deswegen, der Akademie der Wissenschaften zufolge, keine Studien vorgenommen werden. 

Bei dem jetzt gefundenen Nashorn-Baby, das zu Ehren seines Erfinders "Sasha" getauft wurde, sind Horn und Fell des Schädels, sowie einige Weichteile des Körpers samt Fell erhalten.

Das Geschlecht des Tieres ist unbekannt, aber der Name "Sasha", auf den das Baby-Nashorn jetzt getauft wurde, witzelte der Wissenschaftler, passe auf ein Mädchen und einen Jungen: "Jetzt können wir sagen, dass das Nashorn im späten Pleistozän lebte, und ein Zeitgenosse der Mammuts war. Das Tier starb im Alter von 2-3 Jahren, das Körpergewicht liegt etwa bei 60 Pfund."

Die sibirischen Wissenschaftler sind zuversichtlich, aus dem vorhandenen Material brauchbare DNA und neue Erkenntnisse über Leben und Aussterben der Wollnashörner zu gewinnen: "Der erste Schritt", sagte Banderov, "sind die Auswahltests für mikrobiologische Untersuchungen, und ebenso  die Durchführung der ersten Inspektion der Überreste." Traditionell arbeite man mit Yakutien, sowie mit russischen und ausländischen wissenschaftlichen Einrichtungen zusammen: "Derzeit laufen Verhandlungen, und man diskutiert die Zusammensetzung der Arbeitsgruppe."

Im Gegensatz zu den heute noch in Afrika und Südasien lebenden Nashornarten war das Wollnashorn durch sein Fell an ein rauhes Klima angepasst. Der Lebensraum des Wollnashorns erstreckte sich von Schottland in Europa bis nach Sibirien und Südkorea. Darstellungen von Wollnashörnern finden sich als Höhlenmalereien in verschiedenen Höhlen in Europa.

Die kälte-unempfindliche Nashornart lebte im Pleistozän, von ca. 2,5 Millionen Jahren bis vor ca. 10.000 Jahren. Als mögliche Gründe für das Aussterben des Wollnashorns werden klimatische Faktoren oder die Bejagung durch den Menschen angenommen. (Quellen für den Fundbericht: Siberian Times / Pressemitteilung der Akademie der Wissenschaften in Yakutien)

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