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Grabungen

Archäologen erforschen Befestigungsanlage "Teufelsmauer" im Ostalbkreis

Archäologen untersuchen die Befestigungsanlagen an der "Teufelsmauer" bei Heubach im Ostalbkreis. Welche Funktion hatten sie, wie sahen sie aus? Der Rosenstein bei Heubach bildet mit seinen beiden Nachbarbergen Mittelberg und Hochberg ein dreigliedriges System vorgeschichtlicher Befestigungsanlagen. Die alten Mauern, Wälle und Gräben haben sich auf den bewaldeten Randhöhen des Albuchs gut erhalten.
Teufelsmauer Heubach

Sie vermitteln durch ihre bemerkenswerte Größe eine Vorstellung von der besonderen Bedeutung, die den derart aufwändig gesicherten Siedlungen einmal zugekommen sein muss.

Wissenschaftlich fundierte Aussagen gibt es allerdings weder über das einstige Aussehen noch über Funktion und Geschichte dieser Fortifikationen zu treffen, denn die moderne Archäologie hat sich ihrer noch nicht angenommen. Das Wenige, was heute ausgesagt werden kann, ist Ergebnis einer von bürgerschaftlichem Engagement getragenen Forschungs-Episode zu Beginn des letzten Jahrhunderts.

„Angesichts des prominenten Ranges, den die mächtigen Rosenstein-Befestigungen im Denkmalbestand des Landes Baden-Württemberg einnehmen, kann uns dieser Forschungsstand nicht befriedigen", sagte Landesarchäologe und Landeskonservator Prof. Dr. Dirk Krausse vom Landesamt für Denkmalpflege.

Im Jahr 2016 startete das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart mit freundlicher Unterstützung der Förderstiftung Archäologie in Baden-Württemberg ein Forschungsprojekt, das Licht ins Dunkel bringen soll. Eine erste, dreimonatige Grabungskampagne galt der Kuppe des Mittelberges, die sich südöstlich des Rosensteinplateaus erhebt und von einem mächtigen Befestigungswerk, der sog. „Teufelsmauer", gequert wird. Das Bauwerk, das auf 400 Meter Länge schnurgerade verläuft, tritt heute als in den Felsgrund gehauener Graben und Bruchsteinwall in Erscheinung. Im Wall dürfte sich jedoch der Stumpf einer Mauer verbergen, die im waldlosen Gelände einmal eine weite Fernwirkung nach Süden und Osten in Richtung Albhochfläche entwickelt haben muss. Sie deckt den nördlichen Teil der Bergkuppe einschließlich ihres Gipfelbereichs, der etwa 714 Meter über NN erreicht.

Angesichts der vielversprechenden Funde zeigt sich Landrat Pavel gespannt auf die Ergebnisse der anstehenden Grabungen: „Der Ostalbkreis ist eine lebendige Kulturregion mit zahlreichen Zeugnissen der Vergangenheit und ich freue mich, dass nun am Rosenstein ein weiteres besonderes Kulturdenkmal erforscht wird."

Im Westen dieser befestigten Siedungsfläche wurden im Zuge der Ausgrabung drei Schnitte angelegt, die der Klärung der Bodenverhältnisse sowie dem Aufschluss potentieller Sedimentfallen und fundführender Kulturschichten galt. Wie nicht anders zu erwarten, liegt dem anstehenden Fels und Verwitterungsschutt des Jurakalkes nur eine dünne Decke von Waldhumus und lehmigen Verwitterungsprodukten auf. Eindeutige Gebäudespuren konnten in diesem grabungstechnisch schwer zu bearbeitenden Untergrund nicht festgestellt werden – entweder standen die Häuser an anderer Stelle, oder sie waren in einer Art und Weise erbaut, die ohne bleibende Eingriffe in den Felsengrund auskam. In allen Schnitten konnte jedoch ein konstanter Scherbenschleier festgestellt werden, der sich zuweilen zu signifikanten Konzentrationen verdichtete. Wenigstens zum Teil dürfte es sich dabei um veritable Siedlungsbefunde handeln. Sämtliche Scherben lassen sich dem grobkeramischen Spektrum der frühen Laténezeit (ca. 450 – 300 v. Chr.) zuordnen. Jüngere oder ältere Funde liegen vom Mittelberg auch als Lesefunde nicht vor, so dass man auch für die Befestigung von einer entsprechenden Zeitstellung ausgehen darf. Um die Architektur der mutmaßlichen Mauer zu klären und evtl. unter dem Steinversturz erhaltene Kulturschichtkörper aufzuschließen, wurde von der Innenfläche her ein Grabungsschnitt in den Wall vorgetrieben. Bis zum Ende der Grabungskampagne gaben sich hier jedoch noch keine konstruktiven Strukturen zu erkennen – was die Bauart der Mauer angeht, wird man sich bis zur Fertigstellung des Wallschnittes im laufenden Jahr in Geduld üben müssen.

„Ich freue mich, dass die Geschichte der Kelten am Rosenstein und damit auch die Geschichte unserer Stadt Heubach so viel Aufmerksamkeit erfährt. Mit unserem „archaeopfad" werden wir diese und andere wichtige Epochen und ihre Spuren bald der breiten Öffentlichkeit präsentieren", sagte Bürgermeister Frederick Brütting anlässlich der Präsentation im Rathaus.

Zur Monumentalität der Siedlungsbefestigung tritt das eher schlichte Fundgut in einen auffälligen Gegensatz. Zu dem erwähnten Bestand an grober Gebrauchskeramik treten noch zwei Spinnwirtel, eine kleine blaue Glasperle und eine Eisenfibel – Gegenstände, die man auch in unbefestigten Siedlungen des ländlichen Milieus ohne weiteres finden könnte. Hinweise auf Metallverarbeitung – sowohl Eisen als auch Buntmetall – weisen dagegen eher auf herausgehobene, zentralörtliche Funktionen der eintigen Mittelberg-Siedlung hin. Aufmerksamkeit erregt ein etwas mehr als faustgroßes Skulpturen-Fragment aus ortsfremdem Stein, das zwei gegenüberliegende, kreisaugenartige Strukturen aufweist . Bei dem schweren Material handelt es sich um Orthogneis, dessen nächstes natürliches Vorkommen im Schwarzwald oder in den Schottern der Donau zu suchen sein dürfte. Welche Funktion dieses Objekt hatte, ist noch völlig offen.

Die erste Grabungskampagne am Mittelberg, in die auch zwei vierzehntägige Lehrgrabungen der Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern eingebettet waren, soll den Auftakt eines länger angelegten und systematischen Engagements des Landesamtes für Denkmalpflege für die Erforschung der Rosenstein-Befestigungen sein. Ihre Ergebnisse, allen voran der sich erstmals für die Teufelsmauer abzeichnende Datierungsansatz, sind ein erster Erfolg und machen neugierig auf den Fortgang des Projektes.

(Montag, 17.07.17 - 18:39 Uhr   -   731 mal angesehen)

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